Kerze

Udo Hölzner, Vorsitzender der Guttempler-Humanitas Mülheim, erlag seinem Krebsleiden

Am 18.09.2020 verstarb der langjährige Vorsitzende der Guttempler-Humanitas in Mülheim an der Ruhr

 

 

 

Die letzte Sitzung ist zu Ende

Nachruf auf Udo Hölzner, Vorsitzender der Guttempler in Mülheim an der Ruhr

Bei gewöhnlichen Beerdigungen nimmt man aus der Trauerhalle Tränen und Trauer mit hinaus. Nach der Beerdigung von Udo Hölzner trug jede*r, der*die den letzten Weg mit ihm gegangen ist, ein warmes weiches „Fellchen“ mit nach Haus. Der Mensch, der hier verabschiedet wurde, hat gern und viel gegeben.  Udo Hölzer war bekennender Alkoholiker.

Zwei Mal in seinem Leben habe er mit dem Trinken aufgehört, berichtete er immer wieder. Beim ersten Mal hielt er von 1983 bis 1993 durch. „Und dann dachte ich, nach zehn Jahren könnte ich jetzt kontrolliert mal ein Bier oder einen Cognac trinken.“ Es folgte ein Absturz, der ihn unter anderem seine berufliche Existenz als Diplom-Ingenieur kostete. Durch Glück überlebte er und wusste, diese Chance kommt man nur einmal. Seit 1997 trank Udo Hölzner nicht mehr. Er fand in der Suchselbsthilfe nicht nur die richtigen Menschen und passende Ziele sondern eine neue emotionale Heimat und ergriff das als Chance, dem geschenkten Leben einen neues Sinn zu geben.

Er wußte:„Es gibt keinen Königsweg aus der Sucht, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Für mich ist es die Selbsthilfe“.

Udo Hölzner war seit 1997 Mitglied bei den Guttemplern-Humanitas in Mülheim an der Ruhr ist.( https://www.guttempler-muelheim.de/ )Seit 1999 arbeitete er aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Seit 2003 war er 1.Vorsitzender der Guttempler in Mülheim. Er arbeitete eng mit den örtlichen Suchtberatungsstellen der Ginko und dem Ambulatotium in Trägerschaft der Diakonie sowie den anderen in der Suchthilfe tätigen Organisationen in Mülheim an der Ruhr zusammen. Herr Hölzner initiierte regelmäßig Aktionen zur Information und Prävention zum Thema Sucht in Zusammenarbeit mit der Polizei, dem Gesundheitsamt und Schulen. In ungezählten Gremien hat er das Thema Sucht vertreten, in Mülheim, im „Wittener Kreis“, bis in die Ministerien hinein. Am bekanntesten wurde der Karnevalist wohl durch seine Karnevalsaktionen „Feiern statt Reihern“, eine jecke Sitzung ohne Alkohol, die in der Stadt zur Institution geworden ist.

Er arbeitet aktiv beim Projekt „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ mit und war zwei Wahlperioden lang aktiv im Sprecherkreis des Fachausschusses Sucht NRW (FAS).

Für sein Engagement wurde er von der WAZ ausgezeichnet als „Held des Alltags“ und von seinem Trägerverband, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, wurde ihm 2014 die silberne Ehrennadel verliehen.

Ehrungen waren nicht seine Sache, dabei lässt sich seine Lebensleistung gar nicht hoch genug einschätzen. Er hat in schonungsloser Offenheit auch sich selbst gegenüber das Thema Sucht enttabuisiert, unter anderem indem er schon frühe mittels seiner eigenen Lebensgeschichte z.B. an Schulen aufgeklärt hat über Sucht und deren Folgen.

Vor allem aber hat er durch sein eigenes Beispiel, seine humorvolle und mitreißende Art, sein Mitgefühl aber auch durch die Akzeptanz der jeweiligen Individualität des Anderen, vielen suchtkranken Menschen geholfen, wieder Lebensmut zu fassen. Er hat viele Menschen in seiner Arbeit bei der Guttempler Gemeinschaft Humanitas Mülheim an der Ruhr dabei unterstützt, mittels Selbsthilfe ihr eigenen Leben zu bewahren und lebenswerter zu gestalten.

Jetzt hat Udo Hölzner den Kampf gegen den Krebs verloren. Wenn die Menschen von der Trauerfeier ein Fellchen mit nach Hause nehmen, so nehmen sie symbolisch die Unterstützung und Wertschätzung mit, die Udo Hölzner für seine Mitmenschen hatte. „Du fühlst dich anerkannt und geliebt, wenn jemand dir ein Fellchen schenkt und du möchtest auch gleich etwas Gutes, Schönes tun.“, heißt es in der Geschichte von dem „Fellchen“. So soll nach seinem Weggang Fürsorge und Wertschätzung weitergegeben werden, nicht nur aber auch an Alkoholiker.

 

(Text: Anke van den Bosch, Selbsthilfe-Büro Mülheim an der Ruhr)